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Selber Tag, 20 Minuten früher: Der "richtige Augenblick" ist auch der, in dem zufällig passende Personen durchs Bild gehen – ohne dass man sie erkennen könnte und so, dass sie in die Komposition passen...

Vom richtigen
Augenblick

Die Photographie lässt sich ganz allgemein als die Kunst des Augenblicks begreifen. Was mich bis heute erstaunt ist, wie kurz die besten Augenblicke sind – und dass das auch für Außenaufnahmen gilt. Gerade die faszinierenden Lichtstimmungen sind rar und auch wenn es letztlich immer dieselben Phänomene sind, die Wiederholbarkeit ist oft nicht möglich. Das macht es, wenn man ein bestimmtes Bild (sagen wir mal: von einem bestimmten Gebäude) haben möchte, nicht einfacher.

Schnell zerstreut der Zufall, was er sammelt

Hier einige Beispiele vom 07.11.2020: Auf der Rückfahrt von einem Auftrag fahre ich in Dresden über eine der Elbe-Brücken und sehe den Sonnenball ganz in der Nähe der Kuppel der Frauenkirche stehen. Der seltene Glücksfall ist, dass die Brücke über dem Fluss sehr lang und das Blickfeld über die gesamte Länge frei ist. Man kann also mit der Sonne ein Stück 'mitwandern', gibt es nur eine einzige Position, ist die Sonne nach etwa einer Minute hinter der Kuppel durch.

Das erste Bild links zeigt die ganze Szene, die Sonne steht noch etwas über der Laterne der Kuppel. Beim zweiten Bild steht sie direkt dahinter – es sieht aus wie ein Leuchtfeuer, trotz starken Abblendens überstrahlen die schmalen Säulen vollständig. Nur im dritten Bild und auf dem Foto im Hintergrund ist das Sonnenlicht so stark reduziert, dass die Silhouette erkennbar bleibt und sich der "Strahlen-Effekt" bildet.

Gegenlicht

Krasses Gegenlicht ist auch deswegen so faszinierend, weil man es spüren kann, wenn es einem direkt ins Gesicht scheint. Der Versuch, das irgendwie ins Bild zu übersetzen, ist immer von große Eile geprägt, die Sonne läuft wie gesagt ganz schön schnell, und sobald sie Sonne selbst im Bild ist, kann man sich an sich nur noch für die am wenigsten falsche Belichtung entscheiden.

Denn schnell wird es zu viel, da der "Dynamikumfang", die Differenz zwischen hellstem und dunkelstem Punkt, die technischen Möglichkeiten der Aufzeichnung bei weitem übertrifft. Die Sonne auf eine Kante zu setzen, die ihre Strahlkraft reduziert, ist nur eine Möglichkeit, man kann es auch mit mehreren Belichtungen versuchen. Rasch wirkt das aber unnatürlich, gleiches gilt für Verlaufsfilter. Der natürliche Eindruck bleibt schwierig zu erzeugen. Man muss die Balance auszuprobieren – könnte da nicht doch etwas in den Schwärzen stecken? Und wäre es nicht doch möglich, dass die Sonne wenigstens noch rund im Bild erscheint, statt eines randlosen weißen Fleckes?

Die "blaue Stunde"

Ist die Sonne untergegangen folgt eine Phase von merkwürdiger Farblosigkeit, danch die berühmte "blaue Stunde", die interessante Farbstimmungen hervorbringt.

Von einer ganzen Stunde kann dabei auch keinesfalls die Rede sein, und "blau" sollte diese Dämmerung besser auch nicht sein, sondern möglichst noch Anteile des sonnigen Tages haben, der gerade vorbei ist. Die Abbildungen von Gebäuden in diesem Augenblick, wenn das Licht in den Fenstern sichtbar, aber die Fassaden noch nicht grau sind, füllen ganze Bände. Das Filetstück des Aufnahmetags ist aber auch sehr klein, bzw. kurz. Mehr als 10 Minuten sind es nicht.

© by Vincent Mosch

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